Dazwischen und ganzum

„Die Nacht ist vorgedrungen“, eine Kantate zum 3. Advent

Die Uraufführung der Kantate „Die Nacht ist vorgedrungen“ zum 3. Advent von Helene Streck heute in Maintal-Dörnigheim war ein sehr besonderes Erlebnis. Die ersten Töne zu hören, die ersten Worte. Dann die erste Arie.

Helene hatte mich gebeten, Texte für die beiden Arien der Kantate beizusteuern. Das Konzept der Kantate kannte ich damals schon. Nun noch Texte beisteuern zu dürfen, freute mich sehr.

„Mama, ich brauch die Texte!“, hieß es ein paar mal. 🙂

Innerlich hatte ich den „Auftrag“ immer dabei. Aber es wollte noch werden. Am Sonntag, den 5. September 2021, gegen halb sieben Uhr abends, waren sie plötzlich da.

Was Helene aus diesen Texten musikalisch gemacht hat, war bzw. ist eine Wucht. Ich hatte die Texte nicht auswendig gelernt und bewusst nicht wieder angesehen, um bei dieser Uraufführung Text und Musik ganz frisch hören zu können.

Ich sagte später zu Helene, dass mir unklar wäre, was zuerst dagewesen sei: Text oder Musik.

Ja, natürlich war der Text zuerst dagewesen. Und doch – da ist etwas zusammengekommen, das ich ein „Dazwischen“ nennen möchte, oder auch ein „Ganzum“. Dazu die Interpretation durch Byungyong Yoo – es war ganz wunderbar.

Danke an alle, auch an Theo Ruppert und Giuliana Klaus. Ihr habt großartig gespielt. Die ganze Kantate empfinde ich als ein Dazwischen und ein Ganzum, beides miteinander verbindend.

Als unsere Kinder ganz klein waren, erklang beim Ansingen des Advent das Lied „Die Nacht ist vorgedrungen“ oft als Schlusslied.

Da waren dann die Kinder vom Kinderchor, zu denen auch die eigenen gehörten, und „man mutete den Kleinen dieses Lied zu“, wie damals mal jemand zu mir meinte (als sei nur etwas wie die „Weihnachtsbäckerei“ für Kinder geeignet). Das Lied von Jochen Klepper, nach dem Segen im Stehen gesungen, entwickelte in der dunklen Kirche eine eindrückliche Atmosphäre.

Auch eine ausgeblichene, ehemals vor allem dunkelblaue Seite einer unserer Adventslaternen bezieht sich auf das Lied. Wenn wir früher jeden Abend in der Adventszeit mit unseren Kindern Lieder sangen, musste die Laterne – so forderten die Kinder – stets so gedreht werden, dass das Lied, das gerade gesungen wurde, zu sehen war.

Das Lied „Die Nacht ist vorgedrungen“ begleitet mich schon lange. Von der eigenen Tochter so ein reifes Werk zu hören, lässt meine Gedanken in diese vergangenen Jahre wandern.

Ich bin sehr dankbar für all das, was da geworden ist. Dazwischen, Ganzum und in der Verbindung von beidem.

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